El Topo

El Topo
Originaltitel: El Topo – Erscheinungsjahr: 1970 – Regie: Alejandro Jodorowsky

Darsteller: Alejandro Jodorowsky, Brontis Jodorowsky, Jose Legarreta, Alfonso Arau, José Luis Fernández, Alf Junco, Gerardo Cepeda, René Barrera, René Alis, Federico Gonzáles, Vincente Lara, Pablo Leder u.A.

Filmkritik: Die Frage ist ja immer, wie man einem Film begegnet. Mit offenen Augen ohne Erwartung, um sich einfach verzaubern zu lassen, eher ironisch und abgeklärt oder mit analytischem Blick um mögliche Subtexte genau zu erkennen, oder oder oder. Weder ist es immer gegeben, dass ein Film gleich für all die möglichen, verschiedenen Sichtweisen zugänglich ist, noch das diese dann überhaupt sinnvoll wären. „El Topo“ ist da anders. Jodorowskys Spaghetti-Western funktioniert auf tausend und eine Art. Interpretation gefällig?

Die Geschichte handelt von einem schwarzgekleideten Bad-Ass von Kopfgeldjäger, der Jango-Fett-gleich mit seinem Sohn durchs Land zieht, Bösewichte erledigt und dann seinen Sohn bei Priestern ablädt, um mit einer Frau und einer anderen Kopfgeldjägerin zusammen durch die Lande zu streifen und vier Meister zu erledigen, die Fähigkeiten jenseits des menschenmöglichen Besitzen. So weit, so anime-esk aufgeladen. Angefüllt ist die erste Hälfte mit bizarren Charakteren, bunten Stereotypen und Bildern, die so aufgeladen sind mit religiösem Subtext, dass dieser fast aus dem Bildschirm zu quellen scheint. Es wird nur dann geredet, wenn es wirklich nötig ist, aber die eigentliche Handlung ist klar strukturiert und auch ohne auf der Metaebene jeden Subtext mitzukriegen weiß man immer, wer was warum gerade macht.

Die Zweite hälfte beschäftigt sich dann mit der Läuterung des Revolverhelden, der verraten wurde und erkennen musste, dass seine Ziele, nachdem sie einmal erreicht wurden, keinen weiteren Sinn mehr haben. Er lebt mit „The Hills Have Eyes“ mäßigen Deformierten zusammen, lernt eine Frau wirklich zu lieben und will für „seine Leute“ einen Weg in die Freiheit graben. Er wird zum titelgebenden Maulwurf, aber muss auch lernen, dass leider sein Weg der Erleuchtung nur von den wenigsten verstanden werden will. Er hat der Gewalt abgeschworen und trifft auf seinen Sohn, den er einst fortgegeben hat, nur um jetzt wieder eine Beziehung zu diesem aufzubauen. Wären da nicht die missgünstigen, selbstsüchtigen und bösen Bewohner der Stadt, die so sind, wie „El Topo“ es einst war…

Zwischendurch kann man sich eigentlich jede Szene exemplarisch ausschneiden und zu Tode diskutieren, persönlich habe ich als Zuschauer aber die Sichtweise des offenen Staunens gewählt. Habe gestaunt über die bunten Figuren und ihre bizarres Auftreten, habe mit gehofft bei der Läuterung des schwarzen Revolvermannes und mitgelacht, bei dessen glücklichen Momenten in der zweiten Hälfte.

Am Ende bleibt nichts als Staunen über einen so intensiven Film (den man ansonsten auch gerne verurteilen kann, weil zig verschiedene Tiere für dessen Erschaffung über den Jordan geschickt wurden), einen so vielfältigen Film und vor allem einen so guten Film. Jodorowskys „El Topo“ ist einfach der Wahnsinn. Wortwörtlich. Und das wohl aus so ziemlich jeder Sichtweise.

Filmbewertung: 10/10